Die Vorteile

Becherpflanzen sind ausdauernde Stauden, sie kommen also jedes Jahr wieder und vergrößern langsam die Zahl ihrer Blütentriebe. Die stabilen, mehrjährige Bestände haben eine Stengelzahl von 20 bis maximal 35 pro Quadratmeter. Becherpflanzen-oder Silphium-Felder brauchen nur einmal angelegt zu werden. Danach können sie 20 Jahre und länger genutzt werden. Damit entfallen zahlreiche Arbeitsgänge auf dem Feld. Während einjährige Ackerkulturen alljährlich vorbereitet (pflügen, grubbern, Saatgut kaufen, säen, etc.) und mit Pflanzenschutzmitteln behandelt werden müssen, ist dies bei den Becherpflanzen-Kulturen nur im ersten Jahr erforderlich.

Die einzigen verbleibenden Feldarbeiten sind:

  • Düngung im März vor dem Austrieb
  • Ernte im September mit praxisüblichem Maishäcksler

Da bisher keine Schädlinge aufgetreten sind, ist nach dem ersten Jahr auch kein Pflanzenschutz nötig. Im ersten Jahr ist allerdings aufkeimendes Unkraut gezielt zu bekämpfen: entweder mechanisch mit der Maschinenhacke oder mit Herbiziden (wofür - außer Stomp Aqua - derzeit noch eine Ausnahmegenehmigung nach § 22 PflSchG erforderlich ist).

Die Becherpflanzen erreichen Höhen von 2,50 bis 3 Meter. Ihre Erträge variieren je nach Bodenqualität, Wasserverfügbarkeit und Düngung. Bei einer Düngung von 130-150 kg N pro ha erreichen sie Werte von 120-200 dt/ha Trockenmasse. Da die Pflanzen nicht wie der Mais einen stärkereichen Kolben besitzen, ist ihr Methanertrag um ca. 10 % geringer als der von Silomais.

Becherpflanzen wurzeln mit ihren Feinwurzeln permanent bis in einer Tiefe von 1,5 bis 2 Meter. Damit sind sie in der Lage, alle aufgebrachten Düngermengen quantitativ für ihr Wachstum auszunutzen. Starkniederschläge im Frühjahr und Sommer können den Dünger nicht in Tiefen verlagern, wo die Pflanzen nicht mehr hingelangen. Somit ist die Verwertungsrate des Düngers praktisch 100%ig. Damit empfiehlt sich der Becherpflanzen-Anbau auch in Wassereinzugsgebieten und zur Bodenregeneration.

Infolge der langen Standzeit von 15-20 Jahren, dem ausdauernden, lebenden Wurzelwerk und der raschen Bodenbedeckung durch das dichte Blattwerk im Frühjahr findet auf Silphium-Flächen so gut wie keine Bodenerosion mehr statt. Dies im deutlichen Gegensatz zu Mais-Monokulturen, die seit den Hochwasserereignissen mit den braunen Schlammfluten im Frühsommer 2016, wieder in der öffentlichen Kritik stehen. Auf geneigten und erosionsgefährdeten Flächen sollte daher der Mais durch ausdauernde Kulturen, wie der Becherpflanze, abgelöst werden.

Die Blüten der Becherpflanze entfalten sich von Ende Juli bis Mitte September. Sie werden von zahlreichen Insekten und insbesondere von der Honigbiene für Pollen und Nektar aufgesucht. Da andernorts zu dieser Zeit keine Tracht mehr zu finden ist, sind die Blüten eine sehr willkommene Zusatznektar- und Pollenquelle für Bienenvölker, aber auch für viele andere Insekten.

Der bundesweit immer noch ungebremste Anstieg der Wildschwein-Population ist nach einhelliger Expertenmeinung zum größten Teil auf den steigenden Anbau von Mais zurückzuführen, der ihnen eine fast unbeschränkte Nahrungsressource bietet. Wildschweine verursachen massiv Fraßschäden im Mais und anderen landwirtschaftlichen Kulturen. Mit der Zunahme der Wildschweinpopulationen steigt die Infektionsgefahr für Schweinepest, außerdem beklagt die Polizei zunehmende Verkehrsunfälle mit Wildschweinen. Von den Wildschweinen umgelegte Maisstengel müssen zur Vorbereitung der Folgefrucht aus dem Feld gesondert herausgeeggt werden (zusätzlicher Aufwand !). Sie würden bei Belassung auf dem Feld und Unterpflügen von den Wildschweinen später wieder herausgezogen, verbunden mit entsprechenden Verwüstungen in der Folgefrucht. Die Silphie wird von Wildschweinen nicht als Nahrungsressource genutzt; ihr vermehrter Anbau (statt Mais) würde dem weiteren Anwachsen der Wildschein-Populationen entgegensteuern.

Weitere Vorteile:

  • Verbesserung der Bodenqualität durch vermehrte Humusneubildung und Gesundung des Bodenlebens (Regenwürmer)
  • kein Nahrungsangebot für Wildschweine
  • bessere Regenwasserversickerung ermöglicht verbesserte Grundwasserneubildungsrate (statt Oberflächenabfluss)
  • keine Bodenverdichtung
  • keine giftige Sickersaftbildung bei Silage
  • kein Beizen des Saatgutes erforderlich
  • ab dem 2. Jahr sind keine Spritzmittel gegen Unkräuter mehr nötig
  • kein jährlicher Saatgutkauf
  • Einsparung von Bodenbearbeitung und den dafür erforderlichen Maschinenpark.
  • große Widerstandsfähigkeit der Becherpflanze gegen Trockenheit (bei tiefgründigem Boden) und gegen harte Winterfröste
  • Falls mal durch einen Hagelsturm oder Unwetter die Silphium-Stengel umgeworfen wurden, können die liegenden Triebe auf dem Feld belassen werden. Sie behindern nicht den Neuaustrieb im Folgejahr. Sie müssen deshalb nicht wie beim Mais arbeitsaufwändig beseitigt oder weg-geeggt werden. (zus. Aufwand!)
  • Setzlinge der Becherpflanzen vertragen leichten Forst bis -3 Grad Celsius. Sie sind daher weniger Spät- oder Frühfrostgefährdet als Mais.
  • sie bietet Deckung für Niederwild bereits ab Anfang April
  • Wenn die Becherpflanzen-Bestände bis Mitte September abgeerntet werden, bildet der Wurzelstock bis zum einsetzenden Schneefall wieder neue Rosettenblätter aus. Diese bieten dem Niederwild (Rebhuhn, Fasan, Feldhase und vielen Vogelarten) eine gute Deckungsmöglichkeit auf den herbstlichen Ackerflächen (Schutz vor Wind, Regen und Prädatoren).
  • Der Anbau der Silphie ist auch ein Beitrag zur Risikominderung in Jahren mit ungünstigem Klima für den Maisanbau (naß-kaltes Frühjahr, Sommer-Trockenheit). Zugleich brechen Silphium-Kulturen Arbeitsspitzen bei der Mais-Ernte, denn die Becherpflanze kann über einen sehr langen Zeitraum geerntet werden.
  • Durch die Begrenzung des Gärgutes Silomais auf 60 % der eingesetzten Biomasse im EEG 2012 (sog. „Maisdeckel“) gewinnen andere Rohstoffe zur Vergärung an Bedeutung: Durch die Biomasseverordnung des EEGs wird die Vergärung von Silphium gefördert: Die Vergütung pro eingespeiste Kilowattstunde erhöht sich anteilig für Strom, der aus Einsatzstoffen der Anlage 3 (Einsatzstoffvergütungsklasse II; also auch Silphium) erzeugt wird um 2 Cents/kWh. Umgerechnet auf einen Hektar ergibt dies je nach Ernteertrag einen Mehrbetrag von etwa 250-300 Euro jährlich: nur für bestehende Biogasanlagen ab 2012 (im EEG 2014 wurden bedauerlicherweise sämtliche NawaRo-Boni abgeschafft! Somit kein finanzieller Anreiz mehr für Mais-Alternativen). Siehe auch FAQ/Info: Silphie in den Medien: Becherpflanze statt Mais.
  • Ein aktueller Produktionskostenvergleich Silo-Mais/Becherpflanze für die Biogasproduktion als PDF-Datei zum Download: Produktionskostenvergleich Mais/Becherpflanze
  • Lange Nutzungsdauer des Bestandes (enorme Einsparungsmöglichkeiten)
  • der Bestand wird zu einer Wertschöpfung; dadurch monetärer Zugewinn bei Pachtrückgabe und Neuverpachtung
  • sofortige Nutzung des Bestandes bei Neuverpachtung (keine Investitionskosten, keine Wartezeit – „es ist alles gerichtet, nur düngen und ernten“)

Die Nachteile

Wegen der Anfangsinvestition lohnt sich ein Anbau der Becherpflanze nur, wenn der Bestand länger als 5 Jahre belassen werden kann. Kulturzeiten von 12-15 Jahren oder länger sind anzustreben. Aufgrund des langsamen Jugendwachstums und der starken Unkrautkonkurrenz auf Äckern empfiehlt sich die Pflanzung von vorgezogenen Jungpflanzen. Die Direktsaat ist problematisch, weil Selektivherbizide noch nicht verfügbar sind, um die Keimpflanzen von Anfang an unkrautfrei zu halten. Die Becherpflanze benötigt tiefgründige, gut wasserversorgte Böden. Auf Sandböden besteht in Trockenjahren ein Ertragsverlust (Abtrocknung der Blätter und der Triebspitzen). Dann empfiehlt sich, früher als September, den Bestand abzuernten. Im Pflanzjahr wird der Aufwuchs nicht genutzt, sondern verwelkt mit beginnendem Frost. Er bildet eine erosionshemmende Blattdecke.

Als züchterisch bisher nicht bearbeitete Pflanzenart, besitzt Silphium - wie die meisten Wildpflanzen - nur eine relativ geringe Keimungsrate der Samen. Im Boden verbleibt dann ein nicht gekeimter Anteil, der ggf. später oder sogar erst im darauffolgenden Jahr aufgeht. Ohne Keimungsstimulation der Samen wird der Bestand daher lückig. Dem könnte durch erhöhte Aussaatdichte begegnet werden, (dann ist aber eine spätere Einzelung eventuell erforderlich). Die Keimungsrate der Samen wird durch vorherigen Frost verbessert. Daher empfiehlt es sich, die Samen vor der Aussaat einige Wochen vorher im Kühlschrank bei 3-6 Grad Celsius zu lagern. Auch eine einwöchige Lagerung bei -20 Grad Celsius (nicht eingeweicht sondern trocken !) wird zur Keimungsstimulierung empfohlen. Für die Aussaat darf das Saatgut aber nicht angefeuchtet sein, weil dann die maschinelle Einzelkornablage nicht funktioniert.

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