Die Pflanze

Die Becherpflanze (wissenschaftlich: Silphium perfoliatum; engl.: cup plant) ist ein Vertreter der Korbblütler (Familie: Asteraceae) und stammt aus den Feuchtprärien des östlichen Nordamerikas. Sie ist ausdauernd, also eine Staude und erreicht alljährlich eine Höhe von bis zu 3,0 m. Auffallend sind ihre im Querschnitt scharf vierkantigen Stengel. Ihre 20-30 cm langen, herzförmigen und grob gezähnten Blätter sind gegenständig und mit ihren unteren Blattstiel-Basen zu einem kleinen, flachen Becher verwachsen (Name). Oft wird sie auch Durchwachsene Silphie genannt. Diesen Namen hat sie erhalten, weil die Stengel quasi wie durch die miteinander verwachsenen Blattbasen hindurch wachsen (lat.: perfoliatum = von Blättern umwachsen). Durch sehr kurze, steife Haare fühlen sich die Blätter ziemlich rauh an. Im ersten Jahr treibt die Pflanze nur eine große, blattreiche Rosette, die bis zu 70 cm im Durchmesser erreicht und den Boden völlig bedeckt.

Ende Juli bis in den September treibt die Becherpflanze (Ugs. auch Silphie) ihre etwa 6-8 cm breiten Blütenkörbchen in einer Kaskade, beginnend mit einem Blütenkörbchen, dieses wird dann übergipfelt mit 2 folgenden, dann folgen 4, dann 8. Die 20-25 randlichen, gelben Zungenblüten sind etwa 2,5-3 cm lang; die braun-gelben Scheibenblüten besitzen keine Zunge. Nur die randlichen Blüten sind weiblich und nur sie entwickeln eine unterständige Frucht, die einem flachen Sonnenblumenkern ähnelt. Die zentralen Scheibenblüten sind rein männlich; sie produzieren nur Pollen und Nektar und vertrocknen nach der Blüte. Die Blüten werden von einer großen Vielzahl von Insekten (Honig- und solitäre Bienen, Hummeln, Schwebfliegen, Schmetterlinge, Nachtschmetterlinge etc.) zur Nektar- und Pollentracht aufgesucht.

Am Blütenkorb der Silphie erkennt man die gelben, randlichen Zungenblüten mit bereits vertrockneten, korkenzieherartig gedrehten Griffeln. Nur die Zungenblüten sind voll weiblich und produzieren jeweils eine Frucht (Samen). Nach innen folgen die 5-zipfligen, rein männlichen Röhrenblüten, aus deren Zentrum jeweils eine dunkelbraune Staubblattröhre herausragt. Durch diese hindurch wächst ein steriler, mit „Fegehaaren“ versehener Griffel (gelb) der den Pollen (Blütenstaub) aus der Röhre herausschiebt, damit er von blütenbesuchenden Insekten abgestreift und verteilt werden kann. Der Blütenkorb blüht von außen nach innen ab. Zwischen den Zungen- und den Röhrenblüten erkennt man die grünen Spreublätter bereits abgeworfener, äußerer, männlicher Blüten. Im Zentrum des Blütenkorbs befinden sich noch knospige männliche Blüten.

Bei der Fruchtreife im September bis Oktober zerfällt das Körbchen und die Samen fallen auf den Boden. Da die Samen an den unterschiedlichen alten Blütenkörbchen nacheinander ausreifen, ist eine effektive Samenernte bisher nur per Hand möglich, bevor der Samen ausfällt. Für eine maschinelle Aussaat (pneumatische Sähmaschine; noch im Erprobungsstadium) muß das Saatgut von Spelzen, tauben Samen und Blütenresten mit Sieben und einem Windsichter gereinigt werden. Hierzu können auch alte Getreide-Putzmaschinen erfolgreich verwendet werden.

Als Staude kann die Becherpflanze sehr alt werden, sofern sie nicht durch Bäume überschattet wird. Im Botanischen Garten der Universität Bayreuth wachsen die Pflanzen seit 1975 ohne irgendwelche Schäden. Tierische Schädlinge sind in Mitteleuropa unbekannt.

Nach den ersten Frösten im Spätherbst stirbt die Pflanze oberirdisch ab (wenn sie nicht vorher bereits geerntet wurde); der Wurzelstock aber bleibt am Leben. Während des Winters verträgt der Wurzelstock auch sehr tiefe Minustemperaturen von beispielsweise -27 Grad Celsius (Winter 2011/12). Bereits im März spitzen die neuen, rötlich gefärbten Knospen aus dem Boden, um bei Temperaturen über null Grad Celcius wieder auszutreiben. Schon Ende Mai ist der Boden völlig mit dem Blattwerk abgedeckt und die Pflanzen sind hüfthoch. Dadurch kann es nicht zur Bodenerosion durch Wind oder Starkniederschläge kommen. Wegen der Beschattung durch das Blattwerk können sich unter den Becherpflanzen keine anderen Pflanzen, also auch kein Unkraut, halten.

Die Silphie hat ein ausgedehntes Wurzelsystem, das bis in eine Tiefe von 2 m reicht und dort auch tiefer liegende Wasserressourcen (Herbst- und Winterniederschläge) ausnutzen kann.

Buchempfehlung


Anzeigen

Link zur Bioenergieregion Bayreuth